Ameisen in Teufels Garten ?

Schreiben Sie in diesem Forum Ihre Fragen, Beobachtungen und Berichte zu anderen Ameisenarten.

Moderatoren: Gerhard Heller, Buschinger

Antworten
Buschinger
Beiträge: 1483
Registriert: 26. Apr. 2004, 12:34
Wohnort: Reinheim

Ameisen in Teufels Garten ?

Beitrag von Buschinger »

Bei Wissenschaft.de gibt’s eine aufregende neue Nachricht.
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257764.html
22.09.2005 - Biologie
Ameisen in Teufels Garten

Die eigenartigen Monokulturen im Regenwald werden von den Insekten angelegt

Ameisen im Regenwald am Amazonas töten mit einem selbst produzierten Pflanzenvernichtungsmittel gezielt bestimmte Pflanzenarten ab. Damit können sie ihre Umgebung für die eigene Ausbreitung optimieren. Das hat ein Forscherteam um Megan Frederickson von der Universität von Kalifornien in Stanford herausgefunden. Wissenschaftler hatten seit langem gerätselt, wie es im Amazonasgebiet zu den so genannten Teufelsgärten kommt. Diese bestehen aus Monokulturen der Pflanze Duroia hirsuta und stehen im extremen Gegensatz zur Artenvielfalt des umgebenden Regenwalds.

Der Legende zufolge werden die Teufelsgärten von bösen Waldgeistern gepflegt. Die Wissenschaftler fanden nun jedoch heraus, dass es lediglich die Ameisen der Art M. schumanni sind, die die Teufelsgärten anlegen. Sie kolonisieren die hohlen Stämme der Pflanze Duroia hirsuta und sorgen dafür, dass sich keine anderen Pflanzenarten in der Nachbarschaft ansiedeln. Auf diese Weise fördern sie die Ausbreitung ihrer Gastpflanze und sichern den Ausbau und Fortbestand der Kolonie – mit Erfolg: Die Wissenschaftler schätzen, dass der älteste Teufelsgarten im Beobachtungsgebiet an die 800 Jahre alt ist. Ein jeder Garten wird von einer einzigen Ameisenkolonie besiedelt und aufrechterhalten. Es kann sich dabei um bis 3 Millionen Arbeiterameisen und 15.000 Königinnen pro Kolonie handeln.

Das Rätsel um die Teufelsgärten lösten die Wissenschaftler, indem sie Schößlinge einer gewöhnlichen Amazonaszeder in bestehende Teufelsgärten pflanzten. In einigen Gärten entfernten sie die Ameisen der Art M. schumanni, in anderen ließen sie ihnen freie Hand. In den Gärten, in denen die Ameisen nicht ausgeschlossen worden waren, attackierten sie die Schößlinge der Amazonaszeder geradewegs und injizierten ihr Ameisengift, beobachteten die Forscher. Schon nach wenigen Stunden war der Gewebetod des Blattes an einer Schwarzfärbung zu erkennen und binnen einiger Tage waren sämtliche Blätter der Pflanze abgestorben. Die Wissenschaftler haben damit zum ersten Mal beobachtet, wie Ameisen ihr Gift, das unter giftbildenden Ameisen durchaus verbreitet ist, gezielt als Pflanzenvernichtungsmittel einsetzen.

Megan Frederickson (Universität von Kalifornien in Stanford) et al.: Nature, Bd. 437, S. 495

ddp/wissenschaft.de – Christina Schallenberg
Leider wird der volle Name der Ameisenart nicht genannt. Dazu muss man schon das Original in der Zeitschrift „nature“anklicken. Kostenlos gibt’s online immerhin ein abstract, aus dem zu entnehmen ist, dass es sich um Myrmelachista schumanni handelt. Diese Formicinen-Gattung ist in den Tropen der Neuen Welt verbreitet, und das geheimnisvolle Totalherbizid ist nichts anderes als Ameisensäure.
Die wird allerdings nicht „injiziert“, wie uns Wissenschaft.de glauben machen möchte, sondern aufgesprüht. Zum Injizieren fehlt den Formicinen nämlich der Stachel.

In der „Ameisenschutz aktuell“ Nr. 2/ 2005, S. 44-46, hatte ich ja eine ähnlich unzuverlässige Information aufgespießt („Werden unsere Ameisen immer kleiner?“), übrigens aus derselben Internetquelle. Vorsicht also bei solchen populärwissenschaftlichen Berichten, das „wissenschaftlich“ ist nicht selten Hochstapelei!

A. Buschinger
Antworten